Das Zertifikatsstudium startet im April und erstreckt sich über 9 Module (Präsenzphasen) in einem Zeitraum von 16 Monaten bzw. 3 Semestern (wobei das erste und letzte Modul jeweils 2 Tage und die restlichen 7 Module jeweils 3 Tage dauern). Die Module finden sowohl am Campus der Ruhr-Universität, in der Lernfabrik in Bochum und im IG Metall Bildungszentrum in Sprockhövel statt.

Eine Kurzübersicht über die Module kannst Du hier als PDF herunterladen!

Modul 1: Digitale Transformation: Treiber, Dynamiken, Spannungsfelder

Referenten: Prof. Dr.-Ing. Bernd Kuhlenkötter,
Prof. Dr. Manfred Wannöffel, Marcello Sessini

Das Modul 1 ist eine Einführungsveranstaltung und gibt einen Überblick über das Zertifikatsstudium mit Credit Points, die die europaweite Anerkennung von erbrachten Studienleistungen beinhalten. Es werden die Zielsetzungen, die Bildungsinhalte, die Methoden sowie die besondere Rolle der arbeitspolitischen Lernfabrik an der Ruhr-Universität Bochum in Kooperation mit dem IGM-Bildungszentrum vorgestellt. Dabei werden drei Leitfragen der digitalen Transformation behandelt: Was ist das? Was kommt auf die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen zu? Was können Betriebsrätinnen und Betriebsräte tun?

  • Einführung in das Zertifikatsstudium
  • Kennenlernen, Aufbau und Ablauf des Studiums
  • Studium in der arbeitspolitischen Lernfabrik des Lehrstuhls für Produktionssysteme
  • Bedeutung der Bildungsinhalte, Methoden, Credit Points und Rolle der Projektarbeiten
  • Technologierundgang in der Lernfabrik
  • Kennenlernen ausgewählter Treiber der digitalen Transformation
  • Maschinen, die sich selbst steuern
  • Produktionsanlagen, die sich mit Assistenzsystemen steuern lassen
  • Mensch-Roboter-Kollaborationen
  • Herausforderungen für Betriebsrätinnen und Betriebsräte
  • Veränderungen der Tätigkeitsprofile und Qualifizierungsanforderungen
  • Entwicklung von Arbeits- und Leistungsbedingungen
  • Personalentwicklung, Anwendung von Skill- und Wissensmanagementwerkzeugen
  • berufsbegleitende Weiterqualifizierung

Lernorte Modul 1:
IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel (Tag 1)
und LPS-Lernfabrik der Ruhr-Universität Bochum (Tag 2)
Unterbringung: IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel

Modul 2:Wander der Industriearbeit –
Industrie 4.0

Referent*innen: Henning Oberc, Anna Conrad und Marcello Sessini

Der immense Anstieg der Komplexität in der industriellen Arbeit durch Digitalisierung und Industrie 4.0 erfordert unterstützende Technologien für die Mitarbeiter*innen, so dass diese den neuen Herausforderungen gewachsen sind. Einen zentralen Bestandteil haben hier Assistenzsysteme verschiedenster Art, die die Mitarbeiter*innen sowohl physisch als auch über Anweisungen am Tablet unterstützen können. In der Lernfabrik des Lehrstuhls für Produktionssysteme der Ruhr-Universität Bochum können die Teilnehmenden in praktischen Übungen die Auswirkungen von Assistenzsystemen haptisch erfahren. Zum Einsatz kommen verschiedene Assistenzsysteme, die jeweils auf die Lernförderlichkeit von Arbeitsplätzen bewertet werden. Darüber hinaus geht es auch um die Informations-, Beratungs- und Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats in diesen Prozessen.

  • Kennenlernen und Erprobung verschiedener Assistenzsysteme
  • Herausforderungen von Assistenzsystemen
  • Einsatz von Assistenzsystemen der Montage und Instandhaltung
  • Anwendung und Erstellung von Assistenzen
  • Vorstellung eines Bewertungsbogens zur Evaluierung von lernförderlichen Arbeitsplätzen
  • Lernförderlichkeitsinventar
  • Handlungsmöglichkeiten des Betriebsrats bei der Einführung von Assistenzsystemen (§§ 90 + 91 BetrVG)

Lernorte Modul 2:
Campus (RUB) und LPS-Lernfabrik der Ruhr-Universität Bochum
Unterbringung: art Hotel Tucholsky, Bochum

Modul 3: Energiewende – Ressourceneffizienz in der Produktion 4.0

Referenten: Henning Oberc, Anna Conrad und Marcello Sessini

Auch in der Industrie 4.0 ist das Thema der Ressourceneffizienz weiterhin relevant. Laut einer Studie des statistischen Bundesamtes betragen die Materialkosten nahezu die Hälfte aller Gesamtkosten im produzierenden Gewerbe. Die drohende Ressourcenknappheit weltweit führt demnach zu einem steigenden internationalen Wettbewerb um Rohstoffe. Eine genauere Betrachtung der Ressourcen- und Energieverbräuche ist demnach sinnvoll. Hier lohnt ein genauer Blick mit dem Fokus auf die betriebsrätliche Aufgabe des betrieblichen Umweltschutzes. Weiterhin wollen wir der Frage nachgehen, welche neuen Technologien in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen.

  • Grundlagen zum Thema Ressourceneffizienz
  • Dimensionen der Ressourceneffizienz
  • Motivation zur Einführung von Ressourceneffizienz im Unternehmen
  • Vorgehen zur Implementierung von Ressourceneffizienz im Unternehmen
  • Kennenlernen von Messmethoden von Ressourcenverbräuchen
  • Ressourceneffizienz als Aufgabe des Betriebsrats (§89 BetrVG)
  • Retrofitting konventioneller Produktionsmaschinen
  • Einsatz und Bewertung von Manufacturing Execution Systems (MES) zur Messung von Verbrauchsdaten

Lernorte Modul 3:
Campus (RUB) und LPS-Lernfabrik der Ruhr-Universität Bochum
Unterbringung: Mercure Hotel Bochum City

Modul 4: Finanzialisierung – Digitalisierung und Uunternehmensrechnung

Referenten: Prof. Dr. Michael Roos, Bernhard Winkler und Marcello Sessini

Der Begriff der Finanzialisierung kennzeichnet Prozesse ökonomischen und gesellschaftlichen Wandels, die sich aufgrund der zunehmenden Bedeutung der globalen Kapitalmärkte auf die Unternehmensfinanzierung erstrecken. Dieser Prozess hat in den letzten Jahren maßgeblich zur Auflösung der „Deutschland AG“ beigetragen und den Anteil global operierender Finanzinvestoren am deutschen Kapitalmarkt enorm erhöht. Das Modul 4 wird in einem ersten Teil die Charakteristika der Finanzialisierung, Ursachen und Folgen dieser Entwicklung für Transformationsprozesse in Unternehmen analysieren. In einem zweiten Teil werden die Prozesse der Finanzialisierung verknüpft mit Transformationsprozessen durch den Einsatz digitaler Techniken. Neben den makroökonomischen Auswirkungen dieser Prozesse werden ebenso die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen für die Betriebsratsarbeit beleuchtet, um die Digitale Transformation im Sinne der Beschäftigten zu gestalten.

  • Was bedeutet der Begriff Finanzialisierung?
  • Finanzialisierung und die Transformation von Unternehmen
  • Zusammenhang zwischen Finanzialisierung und dem Einsatz digitaler Techniken
  • Durchsetzung von Informations- und Beratungsrechten des Wirtschaftsausschusses im Zusammenhang mit Digitalisierungsprozessen
  • Beratungsvorbehalt des Wirtschaftsausschusses vor unternehmeríschen Investitionsentscheidungen

Lernort Modul 4:
IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel

Modul 5: Führung und neue Instrumente der betrieblichen Personalpolitik in der digitalisierten Arbeitswelt

Referent*innen: Dr. Claudia Niewerth und Marcello Sessini

Das Wissen und die Kompetenz der Beschäftigten sind die wichtigste Ressource für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit in Unternehmen. Die Rekrutierung, Auswahl und Bindung qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Sicherung ihrer Leistungs- und Beschäftigungsfähigkeit stehen daher im Mittelpunkt der betrieblichen Personalpolitik, die vom Betriebsrat mitgestaltet werden kann. Führung stellt in diesem Kontext die wesentliche Schnittschnelle dar, um die Umsetzung der Personalpolitik zu gewährleisten. Die Teilnehmenden lernen verschiedene Führungsstile und -techniken im Kontext neuer Instrumente betrieblicher Personalpolitik kennen und übertragen ihre gewonnenen Kenntnisse auf ihre Betriebsratsarbeit.

  • Erfolgsfaktoren und Grundsätze guter Führung
  • Modell zu Leitungsdimensionen von Führungsarbeit (z.B. GRID)
  • Führungswerkzeuge und Führungsstile: Neue Formen moderner Führung: agil, hierarchielos, lateral – und welche Einflussmöglichkeiten der Betriebsrat hat
  • Der Einfluss von Beteiligten, Organisation, Betriebsräten und Unternehmenskultur auf Führung
  • Der Zusammenhang von Führung und Gesundheit – und die Gefährdungsbeurteilung als zentrales Instrument auch in Führungsfragen?
  • Personalplanung und die Mitwirkung des Betriebsrats (§ 92 BetrVG)

Lernort Modul 5:
IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel

Modul 6: Gestaltung von flexiblen Arbeits- und Leistungsbedingungen in der Industrie 4.0

Termin: 22.02. – 24.02.2021
Referent*innen: Dr. Claudia Niewerth und Marcello Sessini

Die Flexibilisierung von Arbeits- und Leistungsbedingungen resultiert aus einer Veränderung der Arbeitsorganisation auf Basis neuer Maschinen und Verfahren sowie einer wachsenden Bedeutung von Qualifikationen der Beschäftigten. In der digitalen Transformation von Unternehmen gewinnt daher die Gestaltung von Arbeitszeit und Leistungsbedingungen zunehmend an Bedeutung. Im Modul 5 setzen sich die Teilnehmenden mit den betrieblichen Gestaltungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten von Arbeits- und Leistungsbedingungen auseinander, die sich aus den steigenden Anforderungen an Flexibilität ergeben.

  • Prinzipien und Methoden der Arbeitsgestaltung im Kontext von Flexibilität
  • Flexibilität im Widerspruch: Der Wunsch nach Flexibilisierung aus verschiedenen Perspektiven, Motivationen und Bedürfnissen
  • Voraussetzungen für flexible Arbeitszeiten: Varianten von Arbeitszeitkonten
  • Arbeitszeitmodelle im Überblick: Teilzeit, Telearbeit, Vertrauensarbeitszeit und Co.
  • Veränderte Leistungsanforderungen im Betrieb: Funktion von Leistungsentgelten
  • Grundlagen zu Leistungsentgelten: Zielvereinbarung, Leistungsbeurteilung, Prämie
  • Leistungsbedingungen im Betrieb gestalten (u.a. § 87 (1) BetrVG)

Lernort Modul 6:
IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel

Modul 7: Digitale Systeme als Herausforderung für den Datenschutz

Termin: 19.04. – 21.04.2021
Referenten: Dr. Kai-Uwe Loser, Henning Oberc, Anna Conrad und Marcello Sessini

Um neue technische Systeme unterstützend für die Mitarbeiter*innen zu entwickeln, benötigt man Informationen und Daten dieser Personen. Die Adaptivität von Assistenzsystemen oder Entscheidungsunterstützungen steht daher im direkten Zielkonflikt mit dem Thema Datenschutz. Trotz Big Data, was für die immer rasanter steigenden Datenmengen in einem Unternehmen steht, muss gezielt der Datenschutz zum Schutze mitarbeiterbezogener Daten betrachtet werden. Für die Einführung von neuen technischen Systemen sind demnach neue technische Regelungen sowie Betriebsvereinbarungen und Abstimmungen zwischen Betriebsrat und Betreiber dieser Systeme notwendig.

  • Grundrechtliche Ziele des Datenschutzes
  • Grundlagen des neuen Datenschutzrechts
  • Neue Entwicklungen aus datenschutzrechtlicher Perspektive
  • Big/Smart Data
  • Cloud und Internationalisierung
  • Digitalisierung und Beschäftigtendatenschutz
  • Praktische Übungen mit technischen Systemen (Assistenzsystemen, MES) im Hinblick auf Datenschutz

Lernorte Modul 7
Campus (RUB) und LPS-Lernfabrik der Ruhr-Universität Bochum
Unterbringung: art Hotel Tucholsky, Bochum

Modul 8: Demografie und Qualifizierung im Kontext digitaler Transformation von Arbeit

Termin: 14.06. – 16.06.2021
Referent*innen: Dr. Claudia Niewerth, Henning Oberc, Anna Conrad und Marcello Sessini

Die Veränderung der Arbeitswelt durch die digitale Transformation ist unumstritten. Die größte Herausforderung wird dabei in einer gesteigerten Qualifikationsanforderung an die Beschäftigten gesehen sowie in der damit verbundenen Bewältigung des demografischen Wandels in den Betrieben. Die Digitalisierung stellt aber nicht nur neue Anforderungen an Weiterbildungsinhalte, sie bietet auch neue Lernmöglichkeiten, wie webbasierte Trainings oder Lernplattformen. Insgesamt geht es um die betriebliche Lernkultur, das individuelle Lernhandeln sowie die bildungspolitischen Rahmenbedingungen für Qualifizierung und Weiterbildung.

  • Demografischer Wandel als globales Phänomen: die demografische Entwicklung
  • Arbeitsgestaltung im demografischen Wandel: alters- und alternsgerechtes Arbeiten
  • Generationenmanagement im Betrieb
  • Maßnahmen im Überblick:
    Betriebliche Initiativen zum demografischen Wandel
  • Die Bedeutung von Qualifizierung in der digitalen Transformation:
    Kompetenzentwicklung in der Industrie 4.0
  • Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats bei der Berufsbildung und betrieblichen Bildungsmaßnahmen (§ 96-98 BetrVG)
  • Weiterbildungsmöglichkeiten durch Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen
  • Beschäftigungssicherung durch Qualifizierung (§ 92a BetrVG)
  • Lernförderliche Produktion, Workplace Learning:
    Neue Formen des Lernens
  • Weiterbildungsbedarfe in der digitalen Transformation:
    Anforderungen, Tätigkeitsverschiebungen und Gestaltungsmöglichkeiten

Lernorte Modul 8:
Campus (RUB) und LPS-Lernfabrik der Ruhr-Universität Bochum
Unterbringung: art Hotel Tucholsky, Bochum

Modul 9: Präsentationen und Projektarbeiten

Termin: 30.08. – 31.08.2021
Referenten: Prof. Dr.-Ing. Bernd Kuhlenkötter, Prof. Dr. Manfred Wannöffel und Marcello Sessini

Im Laufe des Zertifikatsstudiums erstellen die Studierenden eine Projektarbeit zu einem betrieblichen Thema (siehe S. 16). Diese Projektarbeiten zu den unterschiedlichsten Themen der Betriebsratsarbeit werden im Abschlussmodul vorgestellt und besprochen. Am Ende erhalten die Absolventinnen und Absolventen ihr Zertifikat, auf dem die Credit Points ausgewiesen sind.

  • Vorstellen der Projektarbeiten
  • Diskussion der Ergebnisse
  • Übergabe des Studienzertifikats mit ECTS

Lernort Modul 9:
IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel