Ausbildung Betriebscoach

Inhalt

nach den Standards des Deutschen Coachingverbands e. V. beim Bildungszentrum der IG Metall in Sprockhövel

Worum geht es?

Professionelle Betriebsratsarbeit braucht professionelle Qualifizierung. Betriebsratsmitglieder und insbesondere Betriebsratsvorsitzende bewegen sich täglich in anspruchsvollen Gesprächs-, Beratungs- und Verhandlungssituationen. Auf Arbeitgeberseite treffen sie dabei häufig auf Gesprächspartner*innen, die umfassend in Personalführung, Kommunikation, Verhandlungsführung und Veränderungsmanagement qualifiziert sind.

Damit Interessenvertretung auf Augenhöhe gelingt, benötigen Betriebsratsmitglieder fundierte kommunikative, soziale und beratende Kompetenzen. Denn sie verhandeln nicht nur mit der Arbeitgeberseite. Als gewählte Interessenvertreterinnen sind sie zugleich wichtige Ansprechpersonen für Beschäftigte, die in Konflikten, Veränderungsprozessen oder persönlich belastenden Situationen Orientierung und Unterstützung suchen.

Eine Coachingausbildung erweitert das professionelle Handlungsrepertoire von Betriebsratsmitgliedern. Sie unterstützt sie dabei, Gespräche klar zu strukturieren, Anliegen und Aufträge sorgfältig zu klären, unterschiedliche Interessen und Perspektiven zu erfassen und Beschäftigte bei der Entwicklung eigener Handlungsmöglichkeiten zu begleiten.

Technische, organisatorische und strukturelle Veränderungen prägen die Arbeitswelt in immer kürzeren Abständen. Sie wirken sich auf Arbeitsbedingungen, Zusammenarbeit, Beschäftigungssicherheit und das persönliche Erleben der Beschäftigten aus. Betriebsratsmitglieder müssen diese Entwicklungen nicht nur fachlich bewerten und mitgestalten. Sie sind auch gefordert, die damit verbundenen Fragen, Unsicherheiten und Konflikte der Beschäftigten angemessen aufzugreifen.

Die vielfältigen Aufgaben des Betriebsrats stellen hohe Anforderungen an Kommunikation, Beratung und Konfliktklärung. Das Betriebsverfassungsgesetz sieht unter anderem Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite (§ 74 BetrVG), den Schutz und die Förderung der Persönlichkeitsentfaltung der Beschäftigten (§ 75 Abs. 2 BetrVG) sowie Unterstützung und Vermittlung bei Beschwerden (§§ 84, 85 BetrVG) vor. Diese Aufgaben machen deutlich: Professionelle Interessenvertretung braucht fundierte Gesprächs-, Beratungs- und Konfliktkompetenzen.

Die modular und langfristig angelegte Qualifizierung zum/zur Betriebscoach ermöglicht es Betriebsratsmitgliedern, ihre persönliche, soziale und kommunikative Kompetenz systematisch weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt stehen eine reflektierte Haltung, Klarheit über die eigene Rolle und die Fähigkeit, auch komplexe Gesprächs- und Beratungssituationen professionell zu gestalten.

Zentrale Fragen der Ausbildung sind:

▸ Wie gestalte ich Gespräche mit Beschäftigten professionell und lösungsorientiert?

▸ Wie kläre ich meine Rolle und meinen Auftrag in unterschiedlichen Beratungs- und Konfliktsituationen?

▸ Wie begleite ich Beschäftigte in Veränderungsprozessen und unterstütze sie dabei, eigene Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln?

▸ Wie trete ich gegenüber Arbeitgeberseite und Personalverantwortlichen klar, kompetent und auf Augenhöhe auf?

▸ Wie nutze und schütze ich meine eigenen Ressourcen und setze als Betriebsratsmitglied frühzeitig neue Impulse?

Auch digitale und hybride Gespräche gehören inzwischen zur betrieblichen Realität. Die Ausbildung greift deshalb auf, unter welchen fachlichen, rechtlichen und methodischen Voraussetzungen Coaching und Beratung im digitalen Raum sinnvoll gestaltet werden können.

Wie ist die Ausbildung aufgebaut?

Die Ausbildung setzt die Bereitschaft voraus, eigene Erfahrungen, betriebliche Situationen und persönliche Fragestellungen einzubringen und die eigene Haltung und Wirkung zu reflektieren. Die Teilnehmenden erleben und erproben die Coachingmethoden selbst und übertragen sie anschließend auf ihre betriebliche Praxis.

Die Ausbildung ist wissenschaftlich fundiert und findet in Kooperation mit der Fachhochschule Münster im Bereich Beratung, Mediation und Coaching statt. Im Mittelpunkt stehen die praktische Anwendung sowie die Chancen und Grenzen von Coaching in Verbindung mit der besonderen Rolle des Betriebsrats. Fachliche Impulse wechseln sich mit Übungen, der Arbeit an eigenen Fällen, gemeinsamer Reflexion und kollegialem Austausch ab.
Die Präsenzmodule werden durch digitale Lern- und Arbeitsphasen ergänzt. Zwischen den Modulen arbeiten die Teilnehmenden in selbstorganisierten Intervisionsgruppen. Dort reflektieren sie eigene Praxis- und Lernerfahrungen und beraten sich zu konkreten Fällen.

Zusätzlich finden begleitete Supervisions- und Reflexionseinheiten mit Lehrenden und weiteren Supervisor*innen statt. Zum Abschluss der Ausbildung erhalten die Teilnehmenden eine fundierte Rückmeldung zu ihrer persönlichen und fachlichen Entwicklung.

Struktur und Modulübersicht

Modul 1: Rolle, Haltung und Einstieg in die Coachingpraxis

▸   Was ist Coaching und was ist Coaching nicht?

▸   Ziele und Aufbau der Ausbildung und Entwicklung eigener Lernziele

▸   Die eigene Rolle als Betriebsratsmitglied reflektieren

▸   Welche Erwartungen stellen andere an mich und wie gehe ich damit um?

▸   Wie wurde ich, was ich bin: Biografie-Arbeit

▸   Grundlagen des Coachingprozesses: Haltung, Ablauf und erste Methoden

▸   Was sind meine Kraftquellen und wie gelingt Selbstfürsorge?

▸   Grundlagen professioneller Gesprächsführung

Termin: 08.11. – 13.11.2026

 

Modul 2: Persönlichkeit, Glaubenssätze und Veränderungen

▸   Auftragsklärung im Coaching: Kein Coaching ohne Auftrag!

▸   Der Blick auf sich selbst: Persönlichkeitstypen und deren Bedeutung im Coaching

▸   Glaubenssätze und Verhaltensmuster

▸   Veränderungsprozesse verstehen und professionell begleiten

▸   Regeln für ein gutes und konstruktives Feedback

▸   Ethik und Recht im Coaching

▸   Onlinecoaching: Chancen, Grenzen und methodische Besonderheiten

Termin: 07.02. – 12.02.2027

 

Modul 3: Lösungen entwickeln und Veränderungen nachhaltig begleiten

▸ Vom Ziel zur Umsetzung: Wie Veränderungsschritte konkret werden

▸ Methoden zur Förderung von Kreativität und Perspektivwechsel

▸ Eigene Lösungen entwickeln und Handlungsmöglichkeiten erweitern

▸ Transfer und Nachhaltigkeit: Was unterstützt die Umsetzung im betrieblichen Alltag?

▸ Psychische Belastungen und ausgewählte Störungsbilder erkennen und einordnen

▸ Krisen, Traumafolgen und herausfordernde Situationen im Coaching

▸ Grenzen des Coachings erkennen und angemessen weitervermitteln

Termin: 25.04. – 30.04.2027

 

Modul 4: Konfliktbearbeitung und Gruppencoaching

▸ Grundlagen von Konflikten und Konfliktdynamiken

▸ Konfliktberatung im betrieblichen Kontext

▸ Gruppencoaching: Grundlagen, Gruppendynamik und Methoden zur Aktivierung

▸ Unterschiede zwischen Einzelcoaching, Gruppencoaching und Moderation

▸ Coaching und Organisationsentwicklung: Zusammenhänge und betriebliche Anwendungsfelder

Termin: 27.06. – 02.07.2027

 

Modul 5: Abschlussmodul

     Abschluss der Ausbildung:

▸   Einzelsupervision/Feedback zur eigenen Entwicklung und zum Ausbildungsstand

▸   Workshop: Was fehlt und ist mir noch wichtig?

Termin: 29.08. – 03.09.2027

 

Intervision: 5 x 1 Tag

▸   selbstorganisiert durch die Teilnehmer*innen: Online / Präsenz in den Intervisionsgruppen

▸   Gemeinsame Reflexion (Kollegiale Fallberatung) von eigenen Praxis- und Lernerfahrungen

 

Online-Supervision: 2 x 1/2 Tag

▸   Gruppen-Supervision zu einem eigenen Coaching-Fall

 

Evaluation:

Ein Jahr nach Ausbildungsabschluss wird es eine Online-Follow-Up-Tagesveranstaltung geben, um Erfahrungen nach der Ausbildung gemeinsam zu reflektieren!

 

HINWEIS:

Die Weiterbildung orientiert sich an den Standards des Deutschen Coaching-Verbands.

Wer eine Zertifizierung durch den Deutschen Coachingverband anstrebt, muss zusätzlich 20 Stunden Einzelsupervision in Anspruch nehmen (eigenverantwortliche Verpflichtung außerhalb der Ausbildung). Das BIZ Sprockhövel kann hierzu bei Bedarf ein Angebot erstellen.

Organisatorisches

Alle Termine auf einen Blick:

Modul 1: 08.11. – 13.11.2026 (S00026461) im IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel

Modul 2: 07.02. – 12.02.2027 (S00027061) im IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel

Modul 3: 25.04. – 30.04.2027 (S00027170) im IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel

Modul 4: 27.06. – 02.07.2027 (S00027260) im IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel

Modul 5: 29.08. – 03.09.2027 (S00027357) im IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel

Online: 2x ½ Tage – N.N.

Die Reihe kann nur zusammenhängend gebucht werden!

 

Zielgruppe:

Mitglieder des BR, Vorsitzende und Stellvertreter*innen des Gremiums und von Ausschüssen des BR; Schwerbehindertenvertretungen

 

Freistellungen:

§ 37 (6) BetrVG
§ 179 (4) SGB IX

 

Kosten:

Seminare: 10.270,– € gesamt (Tag á 395,- € bei 26 Tagen (MwSt.-frei))

Übernachtung (mit Voranreise): 3.000,- € (zzgl. MwSt.)

Verpflegung (mit Voranreise): 2.375,-€ (zzgl. MwSt.)

 

 

Anmeldung

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